Praxissoftware auswählen – worauf Praxen achten sollten

Die Praxissoftware gehört inzwischen zur Grundausstattung jeder Praxis. Trotzdem wird die Entscheidung oft nebenbei getroffen: Ein Kollege empfiehlt „sein“ System, der Vertrieb zeigt eine Demo, am Ende wird unterschrieben. Ob die Lösung wirklich zum Alltag der Praxis passt, zeigt sich erst später – manchmal schmerzhaft.

Viele Probleme, die nach einem Wechsel auftreten, sind vorhersehbar. Typisch sind überladene Oberflächen, langsame Abläufe am Empfang, Unklarheiten in der Abrechnung oder ein Support, der im Ernstfall schwer erreichbar ist. Das hat selten mit „falscher“ Medizin zu tun, sondern mit sehr einfachen Fragen, die vor Vertragsabschluss nicht gestellt wurden. Am Anfang steht immer die nüchterne Bestandsaufnahme: Wie arbeitet die Praxis heute, und was soll sich wirklich ändern? Eine Hausarztpraxis mit viel Routine, vielen Dauerrezepten und überschaubarer Gerätezahl hat andere Anforderungen als ein MVZ mit mehreren Standorten, Fachrichtungen und hoher Personalfluktuation. Wichtig ist nicht die Funktionsliste im Prospekt, sondern ob Dokumentation, Terminvergabe und Abrechnung in der eigenen Struktur schlank funktionieren können. Wer das eigene Muster nicht kennt, ist dem Hersteller im Gespräch immer einen Schritt hinterher.

Erst danach lohnt der Blick auf die Technik. Ob eine Lösung auf Windows, Apple oder im Browser läuft, ist keine Geschmacksfrage, sondern eine Rahmenbedingung: Was ist schon da, was müsste neu angeschafft werden, wie abhängig macht sich die Praxis von einer stabilen Internetverbindung? Auch die Frage, wo die Daten tatsächlich liegen – auf einem Server in der Praxis oder im Rechenzentrum des Anbieters – ist mehr als ein Detail. Spätestens beim Thema Ausfall, Backup oder Standortwechsel interessiert es dann doch. Besonders sensibel ist der Bereich Abrechnung und Schnittstellen. Funktioniert die GKV- und PKV-Abrechnung verlässlich, kommen BG-Fälle und Selektivverträge dazu, wie sauber sind Statistiken und Auswertungen? Dazu kommt die Verbindung nach außen: KV, Labor, eventuell Röntgen, Buchhaltung. Hier entscheiden sich am Ende nicht nur Erlöse, sondern auch Arbeitszeit – und damit die Stimmung im Team. Unklar bleibt oft, was bei einem späteren Wechsel passiert: In welchem Format kommen die Daten wieder heraus, und zu welchen Bedingungen?

Beim Preis lohnt der Blick hinter die Einstiegssumme. Viele Systeme wirken auf dem Papier günstig, wenn man nur die Grundlizenz betrachtet. Im Alltag kommen jedoch Bausteine hinzu: Online-Termine, Videosprechstunde, SMS-Erinnerungen, zusätzliche Arbeitsplätze, Supportpakete. Dazu Einrichtungs- und Schulungskosten, Mindestlaufzeiten und Kündigungsfristen. Erst in der Gesamtsicht wird klar, ob ein Angebot wirklich tragfähig ist – oder ob die Praxis sich über Jahre bindet, ohne die nötige Flexibilität zu behalten. Entscheidend ist schließlich, wie der Einstieg organisiert wird. Eine Präsentation in ruhiger Umgebung sagt wenig darüber, wie sich die Software an einem Montagvormittag im vollen Betrieb verhält. Hilfreich ist ein Testzugang, mit dem echte Abläufe nachgestellt werden können, und ein klarer Plan für den Umstieg: Wer macht was, wann wird umgeschaltet, welche Notlösung gibt es, falls etwas schiefgeht, und wie erreichbar ist der Support in dieser Phase?

PraxisSelect setzt genau an dieser Stelle an: Die Plattform will keine „eine richtige“ Lösung verkaufen, sondern helfen, den Markt zu sortieren. Unterschiedliche Systeme werden nüchtern gegenübergestellt – mit Blick auf Funktionen, technische Basis, Terminorganisation und mögliche Einsatzbereiche. Ziel ist nicht, Entscheidungen abzunehmen, sondern Gespräche mit Herstellern so vorzubereiten, dass Praxen gezielt nachfragen können, statt sich auf Verkaufsfolien zu verlassen

Praxisbeispiel aus dem Alltag. In einer hausärztlichen Schwerpunktpraxis, die ich technisch betreue, läuft der Alltag komplett webbasiert: Termine werden über ein Online-Terminsystem gebucht, die Videosprechstunde über einen spezialisierten Dienst geführt, Dokumentation und Abrechnung finden in der Praxissoftware statt. Die Systeme stammen nicht alle vom selben Hersteller, sind aber so verbunden, dass der Ablauf für Team und Patienten funktioniert.